Die Wasseramsel "Vogel des Jahres» 2017" ist ein faszinierender Bewohner unserer Fliessgewässer. Doch kommt sie auch an Ergolz und Eibach vor?
Schon seit geraumer Zeit beschäftigte uns die Frage, nach der Anwesenheit von Wasseramseln, bzw. dem Vorhandensein von speziellen Nisthilfen für sie, in Ergolz und Eibach. Da tauchte plötzlich ein im März 2009 erstelltes Dokument mit entsprechenden Standorten auf.
So stiegen wir, Kuri Wirz, Köbi Baader und der Schreibende, am Morgen des 7. März, ausgerüstet mit Fischerstiefeln bzw. Stiefelhosen bei der Postautogarage an der Grenze zu Böckten in die Ergolz.
Es dauerte nicht lange, und schon überflog uns eine adulte Wasseramsel in Fliessrichtung. Trotz des tiefen Wasserstandes war es kein Leichtes, sich bachaufwärts fortzubewegen. Köbi trug auf dem Rücken eine Leiter mit sich und hatte zum Glück ein Paar Wanderstöcke mitgenommen, die uns das Fortbewegen im fliessenden Wasser etwas erleichterte.
Auf unserer Wanderung im tief eingeschnittenen Flussbett kamen wir an vielen privaten Bachzugängen vorbei, welche zum Teil, wie auch an einigen Orten die Uferbefestigungen, vom Wasser unterspült sind und einzustürzen drohen.
Unter fast allen Brücken und Bachüberdeckungen waren zu unserer Überraschung Nisthilfen für die Wasseramsel montiert. Verschiedene Modelle aus Holz oder Eternit gefertigt, mit Einflugöffnung von unten oder seitlich. Es zeigte sich, dass die Nisthilfen, die grösstenteils noch in gutem Zustand sind, seit Jahren nicht mehr gereinigt worden sein müssen. Auf der mitgetragenen Leiter stehend, konnten die alten, seit Jahren ungenutzten Nester mit einem Spachtel herausgekratzt werden.
Bei einer Nisthilfe flog uns aus dem heraushängenden kugelartigen Nest bei unserem Herannahen plötzlich eine Wasseramsel entgegen. Mit einem grossen Bogen umgingen wir diesen aktuellen Brutplatz.

Die rundliche, kurzschwänzige Wasseramsel (Geschlechter gleich), ist in ihrem Lebensraum leicht erkennbar durch ihre dunkelbraune Färbung, mit weisser Kehle, Hals und Brust.
Sie lebt vorwiegend an breiten, sauerstoffreichen Fliessgewässern mit dichtem bestocktem Uferbewuchs, ernährt sich ausschliesslich von Insekten (Köcherfliegen, Steinfliegen u.a.) und deren Larven.
Leider scheinen solche Bachgräben im Siedlungsraum auch beliebte Entsorgungsplätze zu sein, warten doch unzählige Glasflaschen, Plastikkübel und -säcke, entsorgte Zimmerpflanzen samt Töpfen, Metallprofile, ja sogar mehrere Velos usw. aufs nächste Hochwasser…
Die Wasseramsel ist bei uns der einzige Singvogel, der schwimmt und taucht – hatten wir bislang geglaubt. Denn plötzlich machte es neben uns «Platsch» und ein grosser «Sing-Vogel» (Schnitzelbänke) machte direkt neben uns einen ungewollten Taucher. Rasch packten wir beide zu und zogen Kuri, der im tiefen Wasser über einen Stein gestolpert war, auf. Wir alle drei konnten das Lachen nicht zurückhalten. Den Beweis, nebst Singen und Tauchen auch das Schwimmen zu beherrschen, musste Kuri nicht erbringen. Schnell entstieg er dem Gewässer und watschelte triefend, mit seinen getränkten Notizunterlagen unterm Arm, heimwärts.
An der Gemeindegrenze, beim Maloya-Areal, beendeten wir unseren vormittäglichen Ergolz-Spaziergang und gönnten uns im «Café Brot & So», wo auch der Presi (gerade auf Einkaufstour) spontan zu uns stiess, eine kleine Stärkung.
Bald tauchte auch Kuri – geduscht und frisch gekleidet, mit trockengeföhnten Notizunterlagen und Fischerstiefeln - wieder auf, und wir konnten bei der Postbrücke mit dem Absuchen der Eibach-Brücken nach Wasseramsel-Nisthilfen beginnen.

Auch hier teils stark von Brombeerstauden überwucherte, abzustürzen drohende Steilufer, teils hohe Betonmauern – eigentlich kaum Wasseramsel-Habitat. Oft waren hohe Bachstufen (sog. Schwellen) für uns nur Kräfte zehrend überwindbar; quer über den Bach entwurzelte Bäume und Sträucher erforderten Geschicklichkeit um in ungewohnter Montur (Stiefelgrösse 45…) im teils tiefen Wasser gegen die kräftige Strömung vorwärts zu kommen. Nisthilfen waren aber auch am Eibach zahlreich vorhanden. Unsere Bestandesaufnahme endete beim Schwimmbad. Danach nahmen wir noch einen Augenschein am «Rickenbächli», welches wir aber aufgrund seines schmalen Profils als für die Wasseramsel kaum tauglich beurteilen.

Nach dieser Erkundungs- und Reinigungstour, und nach einigen an Nisthilfen noch vorzunehmenden Reparaturen oder Ersatz- und Neumontagen hoffen wir, der Brutbestand bei den Wasseramseln möge sich in der nächsten Brutperiode erhöhen. Wir sind uns aber auch bewusst, dass die Anzahl Brutpaare nicht allein vom Nistplatz- sondern vielmehr vom Nahrungsangebot, welches auf der Wasserqualität gründet, abhängt.